ARGE Streuobst Logo

Schnitt großkroniger Obstbäume unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit

Veranstaltungsnachberichte

6. März 2026

Weiterschulung der Obstbaumwarte am 16.1.2026 am Pichlhof in Frohnleiten

Dem Thema „Schnitt großkroniger Obstbäume unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit“
war das erste fachliche Treffen der Steirischen Obstbaumwarte gewidmet. Am Bestand des
Pichlhofguts in Frohnleiten, durchwegs Apfelbäume im geschätzten Alter von 40 Jahren wurde
versucht, mithilfe eines vorgefertigten Formularbogens den Bezug zwischen Alter, Sorte und Zustand
des Baumes mit den Mindesteingriffen darzustellen. Der Schwerpunkt lag auf der Wiederherstellung
der Belichtung möglichst aller Kronenteile, um eine Vitalisierung des Baumes zu fördern. Schnitte zur
Förderung der Statik wurden weitgehend außer Acht gelassen bzw. als Maßnahme für den
Jahresanfang 2027 in Plan genommen.
Die Teilnahme von 18 zertifizierten oder in Ausbildung befindlichen Obstbaumwarte zeigte die
Aktualität des Themas.


Vorgehensweise

Baumbeurteilung (Wüchsigkeit, Schäden an Krone und Stamm etc.), das Definieren von 3 bis 4
„gröberen“ Schnitten im Bereich unterhalb der Krone, das Entfernen von den unteren Teil des
Kronenaufbaus beschattenden Elementen wurden vorrangig, weitere Schnitte nur bei ausreichend
verbleibender Zeit ausgeführt. Die Richtzeit pro Baum wurde möglichst gering gewählt, um die
Inanspruchnahme von Obstbaumwarten durch Besitzer von Streuobstbeständen möglichst
niederschwellig zu halten. Außer Acht gelassen wurde der Zeitbedarf für die Besprechung der
Schnittvorhaben, das fotografische Dokumentieren vorher/nachher sowie die Entsorgung des
Schnittguts, da diese Zeit bei einer Auftragsannahme ebenso nicht relevant wäre.
Zur Dokumentation wurde ein Stativ mit einer Handyhalterung verwendet, unter das zwecks
Wiederauffindbarkeit der Position ein ca. 20 cm langes, dünnes Kantholz mit oben farblich
markiertem Ende bodeneben eingeschlagen wurde. Dadurch soll auch im Winter 2027 die exakt
gleiche Position aufgefunden werden können. Die Höhe der Kameralinse des Handys entsprach in
etwa der gleichen Höhe wie dem Auge des Fotografen, die Bildunterkante in etwa dem Stammfuß des
Baums. Die Fotos wurden bereits am Handy textlich mit der Zahlenfolge JJJJMMTT und der
zweistelligen fortlaufenden Zahl des zu schneidenden Baums bezeichnet, zusätzlich zur Bezeichnung
des „Nachher“-Fotos ein „n“ zugefügt.
Die Teilnehmergruppe wurde in 4 Gruppen zu je 5 Personen geteilt, die gemeinsam die
Baumansprache, die Auswahl der zu schneidenden Äste und die letztendlich tatsächlichen Werte
„Arbeitszeit/entfernte Kronenmasse/Vorschläge weiterer Maßnahmen“ dokumentierten. Das sollte
ein genaueres Abschätzen von zukünftig zu übernehmenden Schnittaufträgen ermöglichen.


Resumée

Baumansprache: Zur Beurteilung der Baumgesundheit ist ein gewisses Mindestmaß am Erkennen
von Krankheiten notwendig. Diesbezüglich wären weitere Treffen anzuregen.
Schnittstärken: Die Meinungen von maximalen Schnittstärken differieren. In diesem Kurs wurden
wenige, aber relativ starke Schnitte ausgeführt, die Reaktion darauf und eventuelle nachteilige
Entwicklungen sind zu beobachten. Schnitte in größerem Abstand zur Hauptachse werden von
einigen Teilnehmern als vorteilhafter betrachtet. Das Verstreichen der Schnittflächen unterblieb ganz,
da die Bäume ausreichend vital für eine Wundheilung betrachtet werden.
Abgetragenes Holz wurde bewusst nicht entfernt, um die Bäume nicht in den Stress zu starken
Wachstums bzw. ausreichendem Fruchtholzverbleibs als Wachstumsbremse zu bringen. Die 2- bis 3-
jährige Auftragsübernahme wird langfristig als notwendig erachtet.
Die Markierungshölzer für das Fotostativ sind teilweise schwer auffindbar, da sie durch das
bodenebene Einschlagen (Mähen der Wiese!) fast verschwinden. Alternative wäre das GPSEinmessen
der Position oder das Vergleichen des letztjährigen Fotos mit einem zweiten Bildträger
(z.B.Tablet).
Arbeitszeit
Durchschnittlich sind in diesem Bestand eine halbe Stunde je Baum als realistischer Ansatz zu
notieren (Baum 10, großkroniger Closter mit 45 min bis zu Baum 9, kleinkroniger Maschansker mit 15
min). Ob diese Zeiten ausreichend für eine positive Entwicklung sind, bleibt zu beobachten,
angedacht ist das fotografische Dokumentieren der Kronenentwicklung im Spätsommer.


Den gesamten Beitrag mit Fotos zum Nachlesen können Sie hier herunterladen.


Beitrag teilen



Herzlichen Dank an den NABU Deutschland für die Übertragung der Domain www.streuobst.at an den Verein Streuobst Österreich! Weitere Infos und Service-Leistungen zu Streuobstbau und Obstsorten in Deutschland: www.Streuobst.de

ARGE Streuobst