ein Schädling auch im Streuobstbau
(Dr. Christina Pilz, LK Steiermark)
Der Weidenbohrer (Cossus cossus), dessen Name aus dem Lateinischen sinngemäß „Holzlarve“ bedeutet, zählt zu den größten Kleinschmetterlingen Europas. Der Nachtfalter gehört zur Familie der Holzbohrer (Cossidae) und ist in ganz Europa bis nach Westasien verbreitet. Typische Lebensräume sind Auwälder, Gewässerufer mit Weidenbestand, Streuobstwiesen sowie Parkanlagen und Gärten.
Merkmale und Lebensweise
Die erwachsenen Falter erreichen eine beeindruckende Flügelspannweite von bis zu 100 Millimetern. Ihre graubraune Färbung mit schwarzen Linien sowie eine charakteristische dunkelgelbe Linie zwischen Kopf und Brust verleihen ihnen eine ausgezeichnete Tarnung auf Baumrinden.
Adulte Tiere besitzen stark zurückgebildete Mundwerkzeuge und können daher keine Nahrung aufnehmen. Nach der Paarung und Eiablage sterben sie schnell ab. Die Eier werden bevorzugt in Rindenritzen oder Verletzungen geschwächter und älterer Bäume abgelegt, meist im unteren Stammbereich. Bereits belegte Bäume werden häufig erneut besiedelt, wodurch sich zahlreiche Raupen verschiedener Entwicklungsstadien gleichzeitig im selben Baum befinden können.
Die Larven als Holzschädlinge
Nach wenigen Tagen schlüpfen die Larven. Sie zählen zu den bedeutendsten Holzschädlingen Mitteleuropas. Junge Raupen sind zunächst rosa gefärbt, entwickeln sich jedoch zu auffälligen dunkelroten bis zu 10 Zentimeter langen Larven. Für ihre vollständige Entwicklung benötigen sie etwa zwei bis vier Jahre.
Während dieser Zeit ernähren sie sich vom Holz verschiedener Laubbäume, darunter:
Weide, Pappel, Apfel, Birne, Eiche, Walnuss, Linde etc…
Die Larven leben im Inneren des Stammes und zersetzen das Holz langsam. Ein Befall bleibt oft über lange Zeit unbemerkt. Erst wenn die Raupen den Wirtsbaum wechseln oder einen geeigneten Ort zur Verpuppung suchen, verlassen diese den Stamm und können auf Wiesen oder Wegen beobachtet werden (Abbildung 1).
Aufgrund ihrer Größe und auffälligen Färbung sind sie leicht zu erkennen. Bei Berührung können sie sich durch kräftige Bisse verteidigen. Zudem sondern sie ein charakteristisches Sekret ab, dessen Geruch häufig als „säuerlich und nach Holz riechend“ beschrieben wird.
Oft wird ein befallener Baum bereits am Geruch erkannt, bevor sichtbare Schäden auftreten. Zu den typischen Anzeichen eines Befalls gehören:
• Saftfluss am Stamm
• Bohrmehl und Kotkrümel am Stammfuß
• große Ausflug- oder Schlupflöcher im Holz
Schadsymptome
Die Larven zerstören nach und nach die Leitungsbahnen des Baumes und stören somit den Transport von Wasser und Nährstoffen. In der Folge sterben zunächst einzelne Äste ab, während die Raupen den Stamm zunehmend aushöhlen.
Zusätzlich können sich holzzersetzende Pilze ansiedeln und den Zerfallsprozess beschleunigen. Besonders problematisch wird dies bei Sturm oder hoher Schneelast, da geschädigte Bäume unvermittelt brechen und erhebliche Gefahren verursachen können.
Vorbeugung und Bekämpfung
Da die Falter vor allem geschwächte Bäume zur Eiablage bevorzugen, steht an oberster Stelle die Vitalität der Bäume zu erhalten bzw. zu fördern. Dazu gehören:
• regelmäßige Pflege von Stamm und Rinde (zum Schutz vor Verletzungen)
• ausreichende Wasserversorgung während Trockenperioden
• bedarfsgerechte Nährstoffversorgung
Zu den natürlichen Feinden des Weidenbohrers zählen Spechte, Fledermäuse und verschiedene Vogelarten. Besonders Fledermäuse tragen zur Regulierung der Population bei; da sie die dämmerungs - und nachtaktiven Falter jagen.
Für das Monitoring stehen außerdem spezielle Delta-Fallen mit Sexualpheromonen zur Verfügung. Diese locken die männlichen Falter während ihrer Flugzeit von Mai bis August an. Die Fallen werden vorzugsweise im Kronenbereich aufgehängt und dienen vor allem der Überwachung des Befallsdrucks.
Fazit
Der Weidenbohrer ist ein faszinierender, aber auch bedeutender Holzschädling. Da sich ein Befall oft erst spät bemerkbar macht, lohnt sich insbesondere in Streuobstwiesen und alten Baumbeständen eine regelmäßige Kontrolle. Halten Sie in der nächsten Saison Augen und Nase offen – manchmal verrät bereits der typische Geruch einen Befall, noch bevor sichtbare Schäden auftreten.

